Problemkreditbearbeitung

Die Situation rund um die Problemkreditbearbeitung hat sich ab ca. 2011 deutlich verändert und wird es voraussichtlich ab 2021 wieder tun. So war es bis zum Höhepunkt der Insolvenzanmeldungen in 2010, die größte Herausforderung der mit dem Forderungsmanagement betrauten Organisationseinheiten, die ständig wachsende Zahl der Problemkredite zu bewältigen. Seither gingen die Fallzahlen laufend zurück und folgemäßig wurden auch Ressourcen abgebaut.

Als Folge der Corona-Krise dürfte sich die Belastungskurve nun wieder nach oben bewegen. Nach übereinstimmender Meinung aller Experten werden die durch das Corona-Virus ausgelösten negativen Folgen auf die Wirtschaft, diejenigen aus der Finanzkrise bei weitem übersteigen. Laut Veröffentlichung vom 12. Mai 2020 in der „Versicherungswirt­schaftHEUTE“ warnt der Kreditversicherer Euler Hermes vor der größten Pleitewelle seit Kriegsende.

Staatliche Milliardenhilfen tragen mit Sicherheit zur Linderung bei, es darf aber nicht verkannt werden, dass gerade durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nur ein Verzögerungs­effekt eintritt. Gleichermaßen gilt dies für Stundungen und auch für KfW-Kredite ist festzuhalten, dass die tilgungsfreie Zeit endlich ist. Diejenigen Unternehmen, die bereits vor Corona-Zeiten mit einer Liquiditätsknappheit zu kämpfen hatten, werden diese Phase womöglich nicht mehr überleben.

Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ergeben sich zwangsläufig und sie könnten dramatisch werden, zumal ja auch große und anerkannter­maßen solide Unternehmen zu einem massiven Personalabbau gezwungen sind.

Somit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die interne Ressourcenausstattung, in Verbindung mit den gegebenenfalls verfügbaren externen Ressourcen, für den zu erwartenden Wiederanstieg der Fallzahlen ausreichend dimensioniert sind. In den Kontext der Überlegungen sind auch die mittlerweile verschärften Anforderungen an die Eigenkapitalunterlegung für Problemkredite einzubeziehen (Stichwort: NPL-Backstop). Diese zielen klar auf eine schnellere Abwicklung der im Ausfall befindlichen Forderungen hin.

Es ist zu vermuten, dass im Falle eines deutlichen Anstiegs der Fallzahlen eine Bewältigung mit internen Ressourcen nicht möglich sein wird. Selbst wenn der Wille zu einer Personalaufstockung vorhanden ist, wird es voraussichtlich an qualifizierten Bewerbern fehlen. Insofern wird man sich mit der Frage nach adäquaten Outsourcing-Lösungen befassen müssen.

Vor diesem Hintergrund ist es heute mehr denn je unerlässlich, über Zahlen und Daten zu verfügen, welche die Effektivität der internen Maßnahmen widerspiegeln und diese dadurch auch mit externen Leistungen vergleichbar machen. Nur mit diesem Wissen können letztlich fundierte Aussagen hinsichtlich Personalbemessung, Fallbelastung oder Effektivität von alternativen Bearbeitungsansätzen getroffen werden.

Die dafür notwendigen Informationen sind häufig durch die genutzte Software für Sanierungs- und Abwicklungsbearbeitung vorhanden, werden jedoch nicht immer dergestalt aufbereitet und aggregiert, dass daraus aussagekräftige Erkenntnisse abgeleitet werden können. Dies gilt in aller Regel auch für die Performance der externen Dienstleister, welche oftmals nicht nachgehalten wird. Bei professioneller Nutzung dieser Datenbasis können 2 wichtige Ziele erreicht werden:

  • Personalbemessung erfolgt „faktenbasiert“ statt „verhandlungsbasiert“
  • In-/Outsourcing-Entscheidungen basieren auf belastbaren Zahlen.

"Ein optimiertes Forderungsmanagement steigert den Ertrag!"